Dienstag, 08. Januar 19 um 22:03 Alter: 14 days

Eine Welt sammelt Christbäume ein

Von: OLIVER KOTHMANN - Schwäbische Zeitung Friedrichshafen
Ein Hauch von Schwarzwaldhochstraße: Diese Straßenecke an der Länderöschstraße im Wohngebiet Kitzenwiese ist eine der neun Christbaumsammelstellen in Friedrichshafen. Nicht jedem Anwohner gefällt der Anblick der bereits Tage vor dem Abholtermin am Samstag dort abgelegten Weihnachtsbäume, die sich zu einem großen Haufen türmen.

Foto: Oliver Kothmann

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Der Verein Eine Welt Friedrichshafen e.V. sammelt am Samstag, 12. Januar, von neun bis zwölf Uhr, wieder die ausgedienten Häfler Weihnachtsbäume ein.

Die meisten Haushalte setzen den Baum am Dreikönigstag vor die Tür. An den Sammelstellen kommt da bis zum Abholtermin eine Woche später schonmal ein Hauch von Schwarzwaldromantik auf, wenn sich die tiefgrünen Nadelbäume zu hohen Haufen türmen. Insbesondere in Wohngebieten, die von Mehrfamilienhäusern geprägt sind, wie zum Beispiel die Kitzenwiese, kommt da immer einiges zusammen. Schließlich fehlt es den Bewohnern dieses Häusertyps im Gegensatz zu den Haus-mit-Garten-Besitzern an Möglichkeiten zur Zwischenlagerung ihres ausrangierten Bäumchens.

Bäume sammeln sich an der Kitzenwiese
Nicht jedem Anwohner gefällt dann jedoch der Anblick der Sammelstellen und die Tatsache, dass offenbar auch nicht jeder Christbaum-Entsorger am Sammelsamstag die Spendenaktion zu unterstützen bereit ist, mit dem der Verein Eine Welt die Sammelaktion ja traditionell koppelt. Ein verärgerter Anwohner zum Beispiel schrieb der Schwäbischen Zeitung zu Wochenbeginn: „Ich wohne in der Kitzenwiese. Jedes Jahr ist es dasselbe Schauspiel: Kaum sind die Feiertage vorbei, stapeln sich an dem Ort, wo am kommenden Wochenende die Christbäume eingesammelt werden, schon die Bäume. Es ist inzwischen ein ansehnlicher Haufen und eine Sichtbehinderung an der Kreuzung. Ich habe in den letzten Jahren die freundlichen Menschen vom Eine-Welt-Verein gefragt, wie viele denn ihren Obolus für die bereits abgelegten Bäume bezahlt haben. Die Antwort war meist ernüchternd. Jetzt weiß ich nicht, ob das nur ein Problem der Kitzenwiese ist oder ob es an den anderen Sammelstellen ähnlich zugeht. Ich finde es aber auf jeden Fall ziemlich schäbig, wenn einem schon der Service geboten wird und man dann wegen der paar Euro, die ja auch noch für einen guten Zweck sind, herumgeizt. Schöne, arme, neue Welt!“

Margret Halder, Geschäftsführerin des Vereins Eine Welt, nimmt dem kritischen Kitzenwiesler aber ein wenig den Wind aus den Segeln: „Wo sollen die Leute in den Mietwohnungen denn nach Dreikönig auch hin mit den Bäumen? In den Keller können sie sie ja schlecht stellen.“ Auch den Vorwurf, dass sich die „Frühentsorger“ kategorisch um die 2,50-Euro-Spende drücken wollten, entkräftet sie: „Viele Leute stellen den Baum zwar schon lange vor dem Abholtermin raus, kommen aber bei der Abholung doch zu uns herunter auf die Straße und spenden das Geld dann.“

Bäume werden nicht einfach entsorgt
Die ausrangierten Häfler Weihnachtsbäume werden übrigens nicht einfach zur Müllhalde gekarrt, sondern für den „Funken“ gesammelt, also anlässlich eines alten Brauchs in der Region feierlich verbrannt. Noch mehr Positives bewirken die vielen ehrenamtlichen Helfer des Vereins Eine Welt aber mit der Spendenaktion rund um die Baumentsorgung: Der Erlös geht dieses Jahr an zwei Schulen in Afrika: Ihube in Nigeria und Kiziba in Uganda. Ihube hat mit Hilfe von Handwerksbetrieben aus dem Bodenseekreis bereits drei Lehrlingswerkstätten eingerichtet, um den Jugendlichen nach ihrem Schulbesuch eine fundierte Ausbildung zu ermöglichen und damit Arbeitsplätze und Einkommen im Heimatland zu schaffen. Nun sollen mit dem Erlös aus der Aktion Berufsschullehrer eingestellt werden. Kiziba will Kindern in Uganda den Schulbesuch ermöglichen, denn Bildung, so schreibt der Verein Eine-Welt in einer Pressemitteilung, sei „die nachhaltigste Hilfe, um Menschen in die Lage zu versetzen, aus eigener Kraft Armut zu überwinden und eine friedliche Zukunft zu sichern“. Dem dürfte dann sicherlich auch der kritische Kitzenwiesen-Nachbar zustimmen...


 
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